Donnerstag, Juni 14, 2007

Weichei-Praktiken und Aldi-Heimat

Jetzt bin ich seit zwei Jahren und zwei Tagen Deutscher Staatsbürger – und fast dieselbe Zeit lang schon wieder Ausländer. Diesmal halt in der Schweiz. Und bekanntermaßen kann man als Außenstehender besonders gut die Eigenarten erkennen, die so speziell für die Schweiz sind. Dabei ist es mir jetzt mal pupsegal ob ich verallgemeinere oder nicht.

Wenn es hart auf hart kommt, werden die Deutschen hier gerne als „Schwoobe“ bezeichnet, ganz gleich ob man aus Stuttgart oder aus Hamburg kommt. Mir selbst ist das ziemlich egal, da ich Härteres gewohnt bin und ehrlich gesagt auch nicht wirklich Diskriminierendes dabei finde („Mannheimer“, das wäre schon wieder was anderes…). Zumal die Schweizer auch unter einander nicht immer nett behandeln.

Anscheinend gibt es einen ziemlichen Hass zwischen Zürchern (Das „i“ fehlt mit Absicht.) und Baslern, jedenfalls höre ich immer wieder krasse Stories in denen Basler in Zürich nicht bedient wurden und Zürcher hier mit „netten“ Sprüchen konfrontiert wurden. Geht es um die Sprache kommen noch mal ganz andere Parteien auf den Plan. Zwar steht im Handbuch der Schweizer Staatskunde „Die Schweiz ist mehrsprachig und stolz darauf.“, doch anscheinend haben ein paar Jungs das nicht gelesen.

Deutsch-Schweizer gelten bei den Italienisch-Schweizern als arrogant, eingebildet und spießig. Als vor einer Weile bei einem Eishockey-Match das Basler-Team auf ein Team der Französischen Schweiz traf, gröhlten die Fans die ganze Zeit „Wir sprechen Deutsch!“ (Aber erst, als das Spiel anfing. Bei der Vorstellung der Spieler wurden alle Parteien von allen Zuschauern höflich mit Applaus bedacht.).

Eine Gemeinsamkeit haben jedoch all diese Gruppen: Den geradezu fanatischen Gebrauch des Einkaufsholz-Begrenzungshölzchens (Leider kenne ich nicht den offiziellen Namen von dem Teil und nenne es jetzt nur noch EKBH. Wer den richtigen Namen kennt soll es mir doch bitte mal mailen.). In Deutschland kam die Benutzung von dem Teil einem öffentlichen Bekenntnis zum Weicheitum gleich, war ein Synonym für „Schattenparker“, „Warmduscher“ und „Abschiedswinker“, darum hatte ich es so gut wie nie benutzt. Hier hat man jedoch gar keine Wahl wenn man nicht wie ein leprakranker Kinderschänder angeschaut werden will.

Ganz egal ob man zwischen den eigenen Einkäufen und denen der anderen einen Meter Platz lässt oder fünf, die Kassierin greift IMMER nochmal zu den fremden Einkäufen und fragt, ob es dazu gehört. Einmal habe ich das EKBH schief aufs Band gelegt. Die Dame vor mir schaut auf das Band, richtete das EKBH zum rechten Winkel aus und warf mir einen Blick zu der mich gleich 20 cm kleiner werden lies. Ich bin mir nicht sicher, ob mich an diese Sitte hier unbedingt gewöhnen möchte, doch vielleicht ist es schon passiert.

Darum gehe ich ab und zu in den Aldi einkaufen, der letzten hier neu aufgemacht hatte. Wenn ich meinen Einkaufswagen (randvoll mit billigem Aldi-Fleisch!!) an den Horden ausländischer Schnäppchenmuttis vorbei zur Kasse drücke, bin ich mir nicht nur sicher, dass 90% aller Menschen in dem Laden nicht wissen, wie das EKBH wirklich heißt. Nein, ich genieße auch das kleine Gefühl von Heimkehr, das ich bekomme, wenn ich sehe wie türkische Eltern ihre Kinderhorden fluchend aus der Süßigkeiten-Ecke treiben und russische Kumpels für den DVD-Abend Kisten von dem „guten“ Billigfusel aufs Band laden.

1 Kommentare:

hat gesagt…

Hey, DAS ist mir auch immer aufgefallen, dass sie da so pingelich sind! (Insofern also kein schlappes Vorurteil! ;) ).
Man müsst wirklich mal googlen, wie der EKBH offiziell heißt... Waren-Trenner? Einkaufsabteiler?