Du weißt, dass was schief läuft, wenn dich der Dönermann gegenüber vom Institut jedes Mal mit Handschlag grüßt. Er kennt mich inzwischen so gut, dass er mir Geschirr mitgibt (bekommt er ohnehin bald zurück) und Sonderwünsche entgegennimmt. Ich hänge zu oft im Labor rum. Mal wieder.
Dank meines Nerd-Genes macht es mir eigentlich nichts aus, bis nach Mitternacht Moleküle rumzuschubsen. Aber wenn draußen genialstes Wetter herrscht kann es schon ein wenig frustrierend werden – zumal ich dieses Jahr noch so gut wie nie gegrillt hatte. Glücklicherweise hatte ich letztens ein paar Stunden frei (Inkubationszeit) und rein zufällig hatte mich eine Bekannte zum Grillen eingeladen. Wegen der anhaltenden Trockenheit haben die meisten Kantone hier ein öffentliches Grillverbot ausgerufen, darum sind wir ins nahe gelegene Frankreich ausgewichen.
Neben unserer Grillstelle hatte eine weitere Gruppe ein Feuer gemacht. Was mich irritierte war der Haufen von Taschen die bei der Gruppe lagen (Ich nahm an, dass es Reserve-Fleisch war.). Irgendwann ging die erste Person zu dem Haufen, wühlte darin und holte….eine Rassel raus. Shit, die wollten Musik machen!! Der Nächste ging zum Haufen, diesmal war es eine Querflöte. So kamen nach und nach diverse Rasseln, Trommeln und andere Instrumente ans Tageslicht. Der Höhepunkt: Ein Banjo! Ich hasse Banjos.
Französisches Radio ist für mich immer ein Problem gewesen, einfach weil ich es unwiderruflich mit schlechten Chansons und noch schlechterem Eurodancefloor (Preisfrage: Gibt es denn auch guten Eurodancefloor?) verbinde. Diese Gruppe war schlimmer: Sie jamten. Wobei Jam in diesem Falle bedeutet, dass kein Schwein einen Text im Kopf hatte, geschweige denn einen Rhythmus. Und so geschah das, was ich gerne als Scooter-Effekt bezeichne: Man konzentriert sich auf das Geschrei eines einzigen Satzes, während die restlichen zwei Hirnzellen verzweifelt nach den richtigen und passenden Tönen suchen.
In diesem Fall war die für den Text zuständige Hirnzelle wohl gerade auf dem Klo, denn nur so lässt sich der orale Durchfall erklären, der folgen sollte. Da wie gesagt keiner einen Text konnte einigte sich die Gruppe auf folgenden Satz: „Ich liebe dich“. Und weil Französisch bekanntermaßen eine verdammt schwere Sprache ist (anscheinend auch für die Franzosen selbst) entschloss man sich, das Ganze auf deutsch zu gröhlen. Am Ende klang es mehr nach „Isch läbä disch!“ aber es ist bekanntermaßen der Wille der zählt.
Und so ging es eine Ewigkeit weiter: Vollidiot 1 rasselte, Vollidiot 2 hustete in die Querflöte, begleitet von seiner Freundin Vollidiotin 1 an der Trommel. Alles dilettantisch unterlegt von Riesendepp 1 am Banjo. Und alle jaulten. So stelle ich mir in etwa die Akustik bei einer Schamhaar-Epilation vor. Nach etwa 20 Minuten hatte das Horrorkonzert jedoch ein unerwartetes Ende: Es fing an zu regnen. Troubardix hatte damals anscheinend Nachkommen gezeugt.