Sonntag, März 23, 2008

Das Gesetz des Stärkeren Teil 1: (Über)Leben im Forscherdschungel

Forscher sind vertrottelt, vergeistigt, weltfremd und naiv. FALSCH! Ganz falsch. Wer seine Doktorarbeit erfolgreich beendet hat, ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine egoistische Einzelkämpfersau die kein Problem dabei hat, jemandem beim Kuscheln lächelnd ein Messer in den Rücken zu jagen. Denn so schwachsinnig es auch klingt: Nur die Harten kommen in den Garten.

Ultimatives Ziel aller Doktoranden ist es, am wissenschaftlichen Pinkelwettbewerb teilzunehmen, auch bekannt als „Publikation“. An der Publikationsliste entscheidet sich die Zukunft eines Doktoranden. Hat er seine Ergebnisse in einem bekannten Journal veröffentlicht, winkt eine befristete Sklavenstelle in einem anderen Labor. Hat er höchstens einen Aufsatz in der Schülerzeitung geschrieben, winkt ein Job als Vertreter (mit gutem Gehalt, Firmenwagen und moderaten Arbeitszeiten) – also nix, was ein Forscher jemals haben möchte. Wichtig sind dabei vor allem zwei Dinge: 1. In welchem Journal wurde ein Artikel veröffentlicht? 2. Und an wievielter Stelle der Autorenliste wird man aufgeführt?

Zu 1: Wissenschaftliche Zeitschriften werden nach dem so genannten „impact factor“ (IF) gewertet. Einfach ausgedrückt sagt der IF aus, wie oft ein Artikel aus der Zeitschrift in anderen Artikeln zitiert wird. Je höher der IF, desto besser.
Zu 2: Seinen eigenen Namen möchte man möglichst an erster Stelle (first author) oder an letzter Stelle (corresponding author) sehen. Alles andere ist unwichtig.

Viel Arbeit also, wird man wenigstens dafür gut bezahlt? Nein. Im Durchschnitt arbeiten die meisten Doktoranden die ich kenne (nur die Molekül-Schubser, zu den Geisteswissenschaftlern fehlt mir das Hintergrundwissen, aber ich gehe mal davon aus, dass es ähnlich ist) etwa 60 Stunden pro Woche. Oft ist es auch mehr. Ein deutscher Doktorand wird mit BATII/2 abgespeist, was etwa 1000 Euro im Monat sind. Der Hohn dabei: Der Doktorand wird offiziell nur zu 50% beschäftigt und bezahlt (einen sehr coolen Artikel dazu hat Prof. Axel Brennicke veröffentlicht.

Hier in der Schweiz ist das Gehalt noch einigermaßen ok, trotzdem leben wir hier nach offiziellen Standards unter dem Existenzminimum. Ganz arm sind die Koreaner dran, dort ist die Bezahlung der Doktoranden immer noch eine Ausnahme. Gab es da nicht mal eine Diskussion über Ausbeutung von Praktikanten und unterbezahlten Medizinern? Warum machen die Doktoranden nicht etwas Ähnliches? Wahrscheinlich weil sie alle keine Zeit haben, zu viel zu tun im Labor. Oder weil sie wissen wie leicht sie sich damit ihre Zukunft versauen können.

Und so reißen sich die Doktoranden dieser Welt für wenig Dank tagtäglich den Arsch auf, in der Hoffnung irgendwann mal etwas tolles veröffentlichen zu können. Wohlgemerkt: Es geht selten noch um den Spaß an der Forschung, es geht meistens nur noch darum alle anderen wissen zu lassen, dass man selbst den schönsten, gelbsten und dicksten Strahl pinkelt (um mal bei der Pinkelwettbewerb-Parabel zu bleiben). Und dafür gehen viele echt über Leichen. Mehr davon gibt’s im nächsten Teil.

1 Kommentare:

hat gesagt…

Das sind 3 wirklich gute und interessante Einträge, liebes Röschti!
(Da schwimmen wir wohl grad auf der gleichen Welle... :/ )
Aber ich find's echt interessant mal zu sehen, wie es bei den Naturwissenschaftlern und in Labors und so zu geht, weil obwohl die Doktoranden-Situation ähnlich ist, ist doch das Außenrum ganz anders.
Meine Fresse und ich möcht echt nicht mit Dir tauschen...
Ein paar Dinge sprechen sich ja auch bis in unsere "geisteswissenschaftlichen" Kreis rum, das mit dem Datenklau und stundenlang im Labor stehen. Aber das mal so geballt zu lesen aus erster Hand - brrrrh...