Sonntag, März 23, 2008

Das Gesetz des Stärkeren Teil 2: There are no rules in hell!

Wir wissen jetzt also, wie wichtig es ist, Forschungsdaten zu publizieren. Das Problem: Nicht immer gibt es etwas zum publizieren. Was kann man tun?

Sehr beliebt ist das so genannte „scoopen“. Dabei werden die Ergebnisse eines Konkurrenzlabors einfach nachgekocht und noch vor ihm publiziert. An die Daten zu kommen ist kein Problem, es gibt immer wieder mal eine Konferenz an dem der aktuelle Stand der Forschung präsentiert wird. Zwei von meinen Freunden wurden schon gescoopt, ein Bekannter hat das ganz krass erlebt: Das Labor in dem er sich für einen Job beworben hatte, hat den Inhalt seines Vortrags eiskalt wiederholt und vor ihm veröffentlicht.

Alternativ kann man auch einem Mitarbeiter sein aussichtsreichstes Projekt einfach wegzunehmen. Viele Chefs geht es wortwörtlich am Arsch vorbei, wer von seinen Laborsklaven ihm die Resultate liefert, Hauptsache sie sind da. Kein Wunder also, dass unter uns oft eine tierische Paranoia herrscht. Mein Kollege hat schon mehrmals versucht, meine Projekte an sich zu reißen, zum Glück erfolglos. In anderen Labors waren Freunde nicht so erfolgreich. Eine Kollegin (lustigerweise mit dem selben Namen wie ich, sogar die Schreibweise war gleich), hat dann aus Frust gekündigt. Eine andere kurz danach ebenfalls.

Hier muss ich einen kleinen Abstecher machen und – wie bereits angekündigt – von den Chinesen schreiben. Die machen sich hier im Stockwerk gerade extremst unbeliebt. Es fängt schon damit an, dass sie sich mit unglaublichen Lebensläufen bewerben. Gerade mal mit der Masterarbeit fertig und schon vier Publikationen, x Techniken die sie beherrschen blablabla. Vor Ort erweisen sich die Wunderkinder dann als Lachnummer, selbst die simpelsten Handgriffe muss man ihnen erklären (noch viel schlimmer: Sie sagen sie könnten es und versuchen es mit Try&Error. Jetzt muss gerade ein 400.000 Euro Mikroskop wegen so einem Deppen repariert werden.). Was natürlich früher oder später zu der Frage führt: Wie haben die jemals etwas publizieren können? Oder ist der Wang-Wing Wong auf dem Lebenslauf auch der selbe Wong auf der Publikation. Diese Frage stellen sich mittlerweile echt viele Leute. Resultat: Zwei wurden letztes Jahr gefeuert. Das letzte was ich gehört habe, ist dass die eine ihr ehemaliges Labor als Chinesen-feindlich diffamiert.

Aber zurück zu den miesen Karrieretricks. Wenn man selbst nicht gut ist, warum nicht von den anderen klauen oder deren Versuche manipulieren? Extrem paranoiageplagte Freunde markieren alle ihre Proteine und DNA-Sammlungen entweder falsch oder mit einem Code, aus Angst, dass ein Konkurrent daran rumspielen könnte.

Das absolute Nonplusultra an Drecksnummern ist das Fälschen von Daten. Wie einfach man damit Erfolg haben kann hat ja mein Landsmann Hwang (Der Klon-Typ) gezeigt. Und es gibt genügend Doktoranden die aus Angst und Erfolgsdruck gerne mal mit Photoshop arbeiten. Meistens geht das nach hinten los, aber mit ein wenig Glück ist man dann schon eine Stufe weiter auf der Karriereleiter. Die oben erwähnte Chinesin („Chinesenfeindliches Labor“), hat Daten vorgelegt, die so unglaublich deutlich waren, dass sofort alle Alarmglocken angingen. Zumal alle wussten, dass sie NIX kann. Linda Buck, eine Nobelpreisträgerin, musste kürzlich einen Artikel zurückziehen, weil die darin beschriebenen Ergebnisse nicht reproduzierbar waren. Schuld war (angeblich) der Erstautor, die Sache wird gerade untersucht.

Seit Ewigkeiten kursiert in Basel die Geschichte eines chinesischen Chemiedoktoranden. Sein Doktorvater rief ihn eines Tages ins Büro und meinte in etwa: „Alter, deine Daten sind der Hammer. Das ist fast zu schön um wahr zu sein. Lass uns morgen mal zusammensitzen und alles durchchecken. Vielleicht finden wir irgendwo einen Fehler.“ Der Doktorant nickte, ging nach Hause und kam nie wieder ins Labor. Keine Ahnung ob die Story wahr ist. Aber trotzdem irgendwie geil.