Samstag, März 29, 2008

Was auf's Ohr

Einer meiner – wenigen - Vorsätze für dieses Jahr war es, mal wieder öfters auf Konzerte zu gehen (ein weiterer war die Erlangung der Weltherrschaft, aber Pinky hat’s wieder versaut). Und bisher läuft es ganz gut, zwei Konzerte habe ich schon hinter mir.

Das erste Konzert war DAS Ereignis schlechthin: Linkin Park! Ihr einziges Konzert in der Schweiz, natürlich ausverkauft, 9000 Menschen im Stadion – darunter auch ich. Und was soll ich sagen…ich hätte auch popelnd auf dem Klo hocken können und hätte meine Zeit besser verbracht.

Die Vorgruppe hatte abgesagt und so waren die Jungs von LP gezwungen, einen Kaltstart hinzulegen. Und bei 9000 Leuten ist das nun mal nicht einfach. „Warum also erst versuchen?“ wird sich jeder gefragt haben, der auch nur ein bisschen mit dem Konzert zu tun hatte. Da wäre natürlich zuerst die Band: Absolut unpersönliche Performance, kaum mit dem Publikum interagiert, ewig lange, mit Stille gefüllte, Pausen zwischen den Songs (die Playlist war anscheinend die selbe wie bei den vorherigen Stationen) und eine megakurze Show. Dann die Tontechniker, die es erst nach dem vierten oder fünften Lied geschafft hatten, einen hörbaren Klang aufzubauen.

Jürgen von der Lippe hat mal von seinem ersten Auftritt in der Schweiz erzählt. Was ihn total aus dem Konzept gebracht hatte war die Tatsache, dass er trotz aller Bemühungen kaum einen Lacher während der Show bekam. Klar, dass er total mit den Nerven fertig war und anschließend den Veranstalter fragte, ob er irgendetwas falsch gemacht habe. Die Antwort: „Nein, nein! Wir chaben uns chöniglich amüsiert!“. Wenn man das noch in Betracht zieht könnt ihr euch ja vorstellen wie lange es gedauert hatte, bis endlich mal Stimmung in den Laden kam. Meine besten Augenblicke hatte ich etwa 30 Minuten nach Beginn des Konzerts, da bin ich nämlich eingepennt. Und mehr muss dazu nicht mehr gesagt werden.

Letzten Montag gab es dann eine wohlverdiente Abwechlsung: Joe Bonamassa in Zürich. Joe spielt von kleinauf Blues-Rock und das so gut, dass er mit 13 oder 14 schon auf BB King Konzerten auftrat. Ich hab zu dieser Zeit noch frustriert daheim gesessen, weil plötzlich Haare an Stellen wuchsen wo vorher keine waren (heute wäre ich froh über Haare an Stellen, wo früher mal welche waren…). Das Ganze fand im Kaufleuten stand, ein Ort, der ein wenig an Wester-Saloons erinnert: dunkle Holzvertäfelung, Spiegel über der Bar usw. Eine nette Location also für ein geniales Konzert. Habe ich erwähnt, dass das Schweizer Publikum schwierig sein kann? Hier waren nach den ersten fünf Minuten schon die Köpfe am wippen.

Neben genialen Gitarreneinlagen gab es auch super Gesang, aber um ehrlich zu sein war der nur dazu da um die Zeit zwischen den irre langen, absolut krassen Gitarrensoli zu überbrücken. Pausen hat Joe keine gemacht, Lieder gingen nahtlos ineinander über. Das Geilste war, als er seine Band mitten im Konzert Backstage zur Pause schickte und allein mit auf der Bühne abging. Auch sehr angenehm: Es gab endlich mal wieder laaange Lieder. Ist euch mal aufgefallen, dass die meisten Tracks nur noch radiotaugliche 3,5 Minuten gehen? Im besten Falle auch noch Klingelton-kompatibel? Jedenfalls war das Konzert jeden Franken wert gewesen. Eine der besten Liveshows die ich gesehen habe.

So das war es erstmal. Ich bin (natürlich) mal wieder auf der Arbeit mach gleich mal weiter. Im Radio kommt wie immer nur Scheiße und ich hab meinen iPod nicht dabei. Also bastel ich mir gerade mit Youtube ein paar Songs zusammen. Irgendwas ruhiges, bin immer noch müde:

Tracy Chapman – Give me one reason (Radios spielen immer nur „Fast Car“, warum nicht mal dieses Lied?)

BB King feat. Gary Moore – The thrill is gone (Eigentlich müsste man das Lied immer am Ende der Doktor-Arbeit abschließen lol.)

Morcheeba – Enjoy the ride (Das erste gute Lied, seit Skye die Band verlassen hat.)

Sonntag, März 23, 2008

Das Gesetz des Stärkeren Teil 3: Scheiße rollt den Berg runter

„Scheiße rollt den Berg runter!“ bedeutet, dass alles Schlechte von oben kommt. Ein Arsch sitzt immer über dir und macht dir das Leben zur Hölle. Ich habe noch ziemliches Glück gehabt, wenn ich Geschichten aus anderen Labors höre, schlackern einem echt die Ohren.

Sehr verbreitet ist der Kontrolfreak. Ein Chef der immer wissen muss, ob man auch brav arbeitet. Hier am Institut haben wir zwei davon. Wenn sie mal nicht im Labor sind (wegen einer Konferenz oder weil Wochenende ist) rufen sie an, um zu checken ob auch alle arbeiten. Mehr dazu am Ende dieses Posts.

In Amerika anscheinend sehr verbreitet ist der Auslese-Chef. Anstatt einen Doktoranden oder Postdoc für ein Projekt anzustellen, holt er sich gleich mehrere. Denen teilt er dann auch fairerweise mit, dass er gleich mehrere angestellt hat, am Ende aber nur der bleiben darf, der das Projekt zum Laufen kriegt. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

Ein Chef von hier hat einen mittlerweile besonders krassen Ruf. In einem Jahr soll er mal mehr 8 Mitarbeiter verschlissen haben (sprich: gefeuert oder gefrustet aufgegeben). Die beste Story ist die von seinem Doktoranden, der Urlaub nahm und einfach nie wieder kam.

So, das war es vorerst. Damit ihr mich nicht falsch versteht: Ich mag meinen Job. Ehrlich! Es macht Spaß und ich könnte mir nichts anderes vorstellen (und ich hab echt oft drüber nachgedacht). Nur wenn ich mir in den Nachrichten die ewige Diskussion über Elite-Unis, Brain-Drain und Praktikantenausbeutung anschauen muss kommt mir manchmal einfach die Galle hoch, weil es mir einfach unglaublich heuchlerisch vorkommt. Aber wie heißt es doch so schön: „Hate the game, not the player, Baby!"

An dieser Stelle zwei in Doktorandenkreisen mittlerweile legendäre Briefe, die mir immer wieder zeigen, dass ich es hätte deutlich schlimmer treffen könne. Ich sag nur: Arbeitsrecht? Was ist das?


Nummer Eins











Nummer Zwei ist hier zu finden.

Das Gesetz des Stärkeren Teil 2: There are no rules in hell!

Wir wissen jetzt also, wie wichtig es ist, Forschungsdaten zu publizieren. Das Problem: Nicht immer gibt es etwas zum publizieren. Was kann man tun?

Sehr beliebt ist das so genannte „scoopen“. Dabei werden die Ergebnisse eines Konkurrenzlabors einfach nachgekocht und noch vor ihm publiziert. An die Daten zu kommen ist kein Problem, es gibt immer wieder mal eine Konferenz an dem der aktuelle Stand der Forschung präsentiert wird. Zwei von meinen Freunden wurden schon gescoopt, ein Bekannter hat das ganz krass erlebt: Das Labor in dem er sich für einen Job beworben hatte, hat den Inhalt seines Vortrags eiskalt wiederholt und vor ihm veröffentlicht.

Alternativ kann man auch einem Mitarbeiter sein aussichtsreichstes Projekt einfach wegzunehmen. Viele Chefs geht es wortwörtlich am Arsch vorbei, wer von seinen Laborsklaven ihm die Resultate liefert, Hauptsache sie sind da. Kein Wunder also, dass unter uns oft eine tierische Paranoia herrscht. Mein Kollege hat schon mehrmals versucht, meine Projekte an sich zu reißen, zum Glück erfolglos. In anderen Labors waren Freunde nicht so erfolgreich. Eine Kollegin (lustigerweise mit dem selben Namen wie ich, sogar die Schreibweise war gleich), hat dann aus Frust gekündigt. Eine andere kurz danach ebenfalls.

Hier muss ich einen kleinen Abstecher machen und – wie bereits angekündigt – von den Chinesen schreiben. Die machen sich hier im Stockwerk gerade extremst unbeliebt. Es fängt schon damit an, dass sie sich mit unglaublichen Lebensläufen bewerben. Gerade mal mit der Masterarbeit fertig und schon vier Publikationen, x Techniken die sie beherrschen blablabla. Vor Ort erweisen sich die Wunderkinder dann als Lachnummer, selbst die simpelsten Handgriffe muss man ihnen erklären (noch viel schlimmer: Sie sagen sie könnten es und versuchen es mit Try&Error. Jetzt muss gerade ein 400.000 Euro Mikroskop wegen so einem Deppen repariert werden.). Was natürlich früher oder später zu der Frage führt: Wie haben die jemals etwas publizieren können? Oder ist der Wang-Wing Wong auf dem Lebenslauf auch der selbe Wong auf der Publikation. Diese Frage stellen sich mittlerweile echt viele Leute. Resultat: Zwei wurden letztes Jahr gefeuert. Das letzte was ich gehört habe, ist dass die eine ihr ehemaliges Labor als Chinesen-feindlich diffamiert.

Aber zurück zu den miesen Karrieretricks. Wenn man selbst nicht gut ist, warum nicht von den anderen klauen oder deren Versuche manipulieren? Extrem paranoiageplagte Freunde markieren alle ihre Proteine und DNA-Sammlungen entweder falsch oder mit einem Code, aus Angst, dass ein Konkurrent daran rumspielen könnte.

Das absolute Nonplusultra an Drecksnummern ist das Fälschen von Daten. Wie einfach man damit Erfolg haben kann hat ja mein Landsmann Hwang (Der Klon-Typ) gezeigt. Und es gibt genügend Doktoranden die aus Angst und Erfolgsdruck gerne mal mit Photoshop arbeiten. Meistens geht das nach hinten los, aber mit ein wenig Glück ist man dann schon eine Stufe weiter auf der Karriereleiter. Die oben erwähnte Chinesin („Chinesenfeindliches Labor“), hat Daten vorgelegt, die so unglaublich deutlich waren, dass sofort alle Alarmglocken angingen. Zumal alle wussten, dass sie NIX kann. Linda Buck, eine Nobelpreisträgerin, musste kürzlich einen Artikel zurückziehen, weil die darin beschriebenen Ergebnisse nicht reproduzierbar waren. Schuld war (angeblich) der Erstautor, die Sache wird gerade untersucht.

Seit Ewigkeiten kursiert in Basel die Geschichte eines chinesischen Chemiedoktoranden. Sein Doktorvater rief ihn eines Tages ins Büro und meinte in etwa: „Alter, deine Daten sind der Hammer. Das ist fast zu schön um wahr zu sein. Lass uns morgen mal zusammensitzen und alles durchchecken. Vielleicht finden wir irgendwo einen Fehler.“ Der Doktorant nickte, ging nach Hause und kam nie wieder ins Labor. Keine Ahnung ob die Story wahr ist. Aber trotzdem irgendwie geil.

Das Gesetz des Stärkeren Teil 1: (Über)Leben im Forscherdschungel

Forscher sind vertrottelt, vergeistigt, weltfremd und naiv. FALSCH! Ganz falsch. Wer seine Doktorarbeit erfolgreich beendet hat, ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine egoistische Einzelkämpfersau die kein Problem dabei hat, jemandem beim Kuscheln lächelnd ein Messer in den Rücken zu jagen. Denn so schwachsinnig es auch klingt: Nur die Harten kommen in den Garten.

Ultimatives Ziel aller Doktoranden ist es, am wissenschaftlichen Pinkelwettbewerb teilzunehmen, auch bekannt als „Publikation“. An der Publikationsliste entscheidet sich die Zukunft eines Doktoranden. Hat er seine Ergebnisse in einem bekannten Journal veröffentlicht, winkt eine befristete Sklavenstelle in einem anderen Labor. Hat er höchstens einen Aufsatz in der Schülerzeitung geschrieben, winkt ein Job als Vertreter (mit gutem Gehalt, Firmenwagen und moderaten Arbeitszeiten) – also nix, was ein Forscher jemals haben möchte. Wichtig sind dabei vor allem zwei Dinge: 1. In welchem Journal wurde ein Artikel veröffentlicht? 2. Und an wievielter Stelle der Autorenliste wird man aufgeführt?

Zu 1: Wissenschaftliche Zeitschriften werden nach dem so genannten „impact factor“ (IF) gewertet. Einfach ausgedrückt sagt der IF aus, wie oft ein Artikel aus der Zeitschrift in anderen Artikeln zitiert wird. Je höher der IF, desto besser.
Zu 2: Seinen eigenen Namen möchte man möglichst an erster Stelle (first author) oder an letzter Stelle (corresponding author) sehen. Alles andere ist unwichtig.

Viel Arbeit also, wird man wenigstens dafür gut bezahlt? Nein. Im Durchschnitt arbeiten die meisten Doktoranden die ich kenne (nur die Molekül-Schubser, zu den Geisteswissenschaftlern fehlt mir das Hintergrundwissen, aber ich gehe mal davon aus, dass es ähnlich ist) etwa 60 Stunden pro Woche. Oft ist es auch mehr. Ein deutscher Doktorand wird mit BATII/2 abgespeist, was etwa 1000 Euro im Monat sind. Der Hohn dabei: Der Doktorand wird offiziell nur zu 50% beschäftigt und bezahlt (einen sehr coolen Artikel dazu hat Prof. Axel Brennicke veröffentlicht.

Hier in der Schweiz ist das Gehalt noch einigermaßen ok, trotzdem leben wir hier nach offiziellen Standards unter dem Existenzminimum. Ganz arm sind die Koreaner dran, dort ist die Bezahlung der Doktoranden immer noch eine Ausnahme. Gab es da nicht mal eine Diskussion über Ausbeutung von Praktikanten und unterbezahlten Medizinern? Warum machen die Doktoranden nicht etwas Ähnliches? Wahrscheinlich weil sie alle keine Zeit haben, zu viel zu tun im Labor. Oder weil sie wissen wie leicht sie sich damit ihre Zukunft versauen können.

Und so reißen sich die Doktoranden dieser Welt für wenig Dank tagtäglich den Arsch auf, in der Hoffnung irgendwann mal etwas tolles veröffentlichen zu können. Wohlgemerkt: Es geht selten noch um den Spaß an der Forschung, es geht meistens nur noch darum alle anderen wissen zu lassen, dass man selbst den schönsten, gelbsten und dicksten Strahl pinkelt (um mal bei der Pinkelwettbewerb-Parabel zu bleiben). Und dafür gehen viele echt über Leichen. Mehr davon gibt’s im nächsten Teil.

Dienstag, März 18, 2008

Boliddisch!

China regt mich gerade voll auf. Sowas verlogenes und heuchlerisches ist mir seit meiner Zeit im Kirchenchor nicht mehr untergekommen. Also gibts Boykott auf Sparflamme: Die Olympischen Spiele werde ich mir sicher nicht anschauen; es ist schon eine Riesenscheiße, dass China die Gelegenheit gegeben wird, eine derartig große Propagandashow abzuziehen. Einen Urlaub in China werde ich auch vorerst ausschließen (nicht, dass ich Zeit dafür hätte). Die meisten Chinesen hier auf dem Stockwerk werden von mir ohnehin schon ignoriert, denn was diese Jungs alles abziehen ist einen ganzen Blogeintrag wert (der demnächst folgen wird).

Das musste jetzt mal gesagt werden, bye!

PS: Ich werde mir aber immer noch Kung-Fu-Filme anschauen, weil die aus Hong Kong kommen, was ich immer noch nicht richtig zu China zähle. Außerdem werde ich immer noch gerne mit YP aus Shanghai schwätzen, weil sie ziemlich cool ist.

Mittwoch, März 12, 2008

Noch was

Ich glaub ich mach mir ein T-Shirt daraus.
















Danke an
Jochen für das Bild.







Dienstag, März 11, 2008

Japaner...

...haben doch einen an der Klatsche...