Jeder Doktorand hat seine eigene Art, mit Stress umzugehen. Viele rauchen wie Schlote, noch mehr lassen sich jeden Abend volllaufen. Andere wiederum praktizieren beides gleichzeitig und exzessiv. Harte Drogen sind weniger verbreitet, wahrscheinlich aber nur, weil es sich kein Doktorand wirklich leisten kann.
Ein paar (ehemalige) Doktoranden hier aus dem Institut stachen mit ihren Macken jedoch besonders hervor. Nachts, wenn die Klimaanlagen so aufgedreht sind, dass wir uns zitternd um das schwache Feuer der Bunsenbrenner scharen, dann werden ihre Geschichten erzählt. Wir, die noch die Ehre hatten mit diesen Titanen der Forscherwelt im selben Seminar einzuschlafen, geben deren Geschichten an die jüngere Generationen weiter, als Mahnung und aber auch als Ermutigung. Denn wie steht es an der Klowand im vierten Stock geschrieben: „Sie meinten: Lache und sei fröhlich, denn es hätte schlimmer kommen können. Und ich lachte und war fröhlich. Und es kam schlimmer.“
Eine Geschichte handelt von einem Doktoranden aus dem Nachbarlabor: Ab und zu stand dieser im Gang, schlug seinen Kopf stakkatoartig an die Wand und beschimpfte sich minutenlang selbst – manchmal weinte er auch nur vor sich hin. Eine andere Doktorandin war immer so fertig, dass sie sich regelmäßig die Unterarme blutig kratzte. Später brach sie ab und ging auf die Alm um Sennerin zu werden. Das letzte was ich von ihr hörte war, dass sie es dort auch nicht ausgehalten hat und jetzt wieder in Basel wohnt.
Ungeschlagen ist jedoch diese Story: Angeblich nahm ein Doktorand mal Urlaub und kam einfach nie mehr wieder.